Freitag, 7. Juli 2017

Mein kleiner Überwachungsstaat



Ich habe es getan!

Luke's Blick

Haben sich meine moralischen Grenzen verschoben?


Bin ich jetzt ein Kontrollfreak?
Oder vielleicht einfach nur egoistisch, weil ich ja meiner Neugierde nachgegeben habe?
Bin ich jetzt ein schlechter Mensch?
Und wovon zum Teufel spricht die überhaupt?


Ich habe es getan!
Ja, aber was denn, bitteschön?
Ich habe unser Wohnzimmer in das nächste Big Brother Camp verwandelt. Ich habe tatsächlich eine kleine Überwachsungskamera aufgestellt, nur um zu schauen, was die lieben 4-Beiner denn den lieben langen Vormittag so machen, wenn Frauchen und Herrchen abwesend sind.


Das erste Mal, hatte ich besagte Kamera schön hoch auf einem Schrank im Schlafzimmer aufgebaut, damit die Fellviecher möglichst nicht dran kamen, zeigte vor allem Luke doch Tendenzen in Richtung Kameramann und wollte den Selfie-Stick der GoPro (oder wie auch immer die korrekte Beschreibung dafür lautet) einfach nur mal halten und dann zerlegen.
Das lag aber vielmehr an seiner Stöckchensucht (ein ernstes Thema, über das wir nicht gerne reden… Aber ich verspreche, wir suchen uns eine Selbsthilfe-Gruppe!).

Als ich dann besagtes Material auswerten wollte, musste ich feststellen, dass man nur mich hektisch ab und an durchs Bild laufen sah. Ich hatte an dem Tag meine Geldbörse verlegt und konnte sie nicht finden (verlegt ist gut, das Teil ist größer als die meisten Handtaschen! Schließlich ist es aus Texas und „Everythings bigger in Texas!“). 
Von Hunden weit und breit keine Spur.
Gut, könnte auch daran gelegen haben, dass die nicht fliegen und der von mir gewählte Radius der Aufnahme da doch etwas anderes vermuten ließ.
Alte Aufnahmen beweisen: Der Setter scheint generell recht entspannt, beim Schlafen (und nur da!)

Egal! Alles gelöscht und noch mal auf Anfang:


Heute habe ich die Kamera dann mal einfach etwas intelligenter, so im Wohnzimmer-Regal verstaut, dass sie auf Tür und Sofa zeigte.
Clever, oder?

Als ich Heim kam musste sie natürlich direkt komplett ausgewertet werden, ist ja klar. (Gibt es eigentlich Selbsthilfe-Gruppen für Leute die nicht warten können? Die anonymen Hibbler oder Die anonymen Nicht-Aushalten-Können-Zu-Warten-Menschen kurz aNakzwm!).

Super aufgeregt schmiss ich das Video an und saß Fingernägel kauend vor dem PC-Monitor.
Das Licht schien mir bleich ins Gesicht und ich erwartet… 
Ja was eigentlich?

Naja, zumindest nicht einen Diego der gemütlich auf dem Sofa lag und geschlagene 3 Minuten strack in Richtung Kamera glotzte.
Für Hundeohren muss das Gerät also wohl doch nicht so leise sein wie gedacht.
Und dann hat er sich einfach hingelegt und ne Runde geratzt!
Nichts tat das Tierchen, kein Einrad fahren, keine Inspizierungen und erst recht haben sich die beiden nicht auf eine Runde Schach am Wohnzimmer-Tisch getroffen. Wie denn auch? Sie wussten ja, dass sie beobachtet wurden!

Trotzdem blieb ich wie gebannt vor dem Bildschirm und erwartet dass sich jetzt da doch bitte Irgendetwas rühren sollte.
Tat es auch! Das Licht im Flur ging von alleine an. Sofort musste ich an Filme wie Paranormal Activity denken…

Mein Göttergatte erklärte mir dann am Telefon (ich hatte ihn in der Zwischenzeit völlig der Panik verfallen angerufen), dass die Birne eine Macke hat und ab und an verspätet anspringt. Er müsse sie mal auswechseln (Soll ich Bescheid sagen, wenn er das getan hat? Ich nehme auch Wetten an, wie lange das dauern wird! Angaben bitte in Monaten.).
Die Aufregung wich schnell einer gewissen Langeweile. Ab und an wechselte Diego die Position und Luke schien im Schlafzimmer zu pennen.

Das Aufregendste (neben der Sache mit dem Licht):
Einmal trank Luke etwas im Flur (Wow!) und kam dann rein, Diego blieb liegen und bewegte sich keinen Millimeter (Wieder Wow! Diesmal im Ernst, ich hätte erwartet er meckert rum, weil er in seiner königlichen Setter-Ruhe gestört wird. Das er nur ein halber Setter ist, ist ihm unangenehm! Daher erwähnen wir das nur äußerst selten! Dabei müsste das Thema mit den Bastarden ja spätestens seit Jon Schnee salonfähig sein!). 
Luke legte sich auf den Teppich, befand aber nach nur 1:30 Min dass es im Schlafzimmer gemütlicher ist (ich vermute stark, dass er auf dem Bett zu Ruhen pflegt).
Und das war es auch schon! 
Mehr war nicht. Außer das ein oder andere Kopfheben des (Halb)Setters…

Die ganze Aufregung für nichts. 
Könnte man jetzt meinen.

Aber wenigstens weiß ich jetzt:

- dass es Vormittags bei uns nicht spukt.Also im Sichtbereich der Kamera...


- dass die Birne im Flur gewechselt werden muss.
- Und, hier kommen wir zum wichtigsten Punkt, meine beiden Hunde vollkommen gechillt vor sich hindösenend da liegen, bis wir nach Hause kommen und ihnen Action zukommen lassen. 
Oder der Akku der Kamera schlapp macht (war so um 10 Uhr). 
Danach haben beide sicher Schach gespielt!

Und das ist doch auch irgendwie ein schönes Gefühl! Also das mit dem Chillen und keine Panik schieben und so, nicht dass sie heimlich Schach spielen.


Wir wünschen einen tollen Start ins Wochenende!
Diego ist total entspannt!

Kerstin mit Diego und Luke

P.S.: Da heute dann das GoPro Hundegeschirr kam und wir es direkt Luke umgebunden haben und schwimmen gegangen sind, haben wir jetzt aufregendere Videos. Luke taucht nämlich! 

Mittwoch, 5. Juli 2017

Der Neue im Rudel



Luke


Luke wer? Luke was? Luke wo?

Seit letztem Freitag bereichert ein weiteres energiegeladenes, schwarzes und absolut verschmustes Felltier unser Rudel.
Sein Name? Luke.
Wie wir auf ihn kamen? Das ist eine Geschichte die ich gerne mit euch teilen möchte.

Vor ein paar Wochen durchstöberte ich mal wieder das Internet, auf der Suche nach einem passenden Zweithund für uns. Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet was zu finden.

Aus dem Tierschutz sollte er sein und zu Diego passen.
Das wir dabei schon beim Tierheim der Nachbargemeinde fündig wurden hätte ich auch nicht gedacht.
Aber zack, tadaa, von einem Foto lachte mich ein tiefschwarzer Border Collie-Mix an. 
Sein Name: Luke. 2 Jahre alt sei er und was für aktive Leute.
Die Beschreibung las sich so positiv, dass ich zunächst dachte, dass das doch gar nicht alles stimmen kann.
Aber wie sagt man so schön? Nicht lang schnacken… Ne das war was anderes, aber vom Prinzip her.
 
Also ab eine Nachricht per Messenger geschickt. Automatische Antwort, dass es besser per Mail sei.
 
Erstes Beschnuppern auf der Wiese
Also eine Mail ans Tierheim geschickt, aber da nach 30 Minuten (ich bin ein seeeehr ungeduldiger Mensch in solchen Dingen und ja mir ist klar, dass andere Menschen nicht nur auf meine Nachrichten warten und daher nicht sofort antworten, aber trotzdem gucke ich alle 2 Minuten aufs Telefon. Oder auch alle 2 Sekunden) noch keine Antwort da war, habe ich gedacht, fahren wir einfach mal direkt hin.
Und zack eine Stunde später standen wir (erstmal ohne Diego) auf dem Hof des Tierheimes und betraten den Hunderundgang.
Luke haben wir sofort entdeckt. Nach kurzer Rücksprache durften wir direkt mal mit ihm auf die Hundewiese.
Ob wir Leckerlis dabei hätten. Wie peinlich! Die hatte ich nämlich in meiner Aufregung direkt mal vergessen…
Zum Glück konnten wir welche von dort haben (hier leihen zu schreiben wäre irgendwie seltsam... Wobei... Bäh! Nein!)

Auf der Wiese angekommen, schien Luke direkt so zu sein, wie beschrieben.
 
Also wurde ein Termin mit Diego zusammen vereinbart.
Wer bist du denn?
Hasch mich! Ich bin der Frühling!

 
Der klappte auch und somit hatten wir unser Vorgespräch und nach der Vorkontrolle (bei der ich so nervös war, als würde ich einem Hochzeitsvermittler vorgestellt) war klar: Luke darf zu uns ziehen!
Das klappte so gut, dass wir direkt einen zweiten vereinbarten.

Am letzten Freitag war es dann soweit.

Stephan blieb mit Diego daheim und ich holte das Pinselohr ab.
Draußen war Diego erst nicht so sicher, wer ihm denn da mit Hund entgegen kam, als er uns erkannte (sein Ausdruck wechselte immer zwischen GRRR! ANDERER HUND!!! Und OH TOLL! KENNE ICH! FREU! – sah zum schießen aus!) freute er sich wirklich sehr. Auf der Wiese wurde auch wunderbar getobt.
Nur als klar war, dass der mit in die Wohnung soll, dachte Diego kurz daran uns wegen geistiger Umnachtung und akuter Verwirrtheit einweisen zu lassen.
Der? Mit rein? Hier draußen ist der ja ganz nett… Aber bei uns? Wo mein Futter steht?

Am Wassernapf wurde dann auch kurz klar gemacht, wer denn hier das Sagen hat und da Luke ein absolut freundlicher Kerl ist, gab es auch nur von Seiten Diegos etwas Stress.
Das gleiche Zinober hatten wir auch beim Essen.
Aber da die beiden getrennt gefüttert werden ist das kein Problem.
  Ab und an sagt Diego noch an, wer denn hier der Boss ist und wer nur geduldet wird, aber das ist schon weniger geworden.

Beide laufen wunderbar an der Leine nebeneinander, spielen ab und zu und heute habe ich sie erwischt wie sie neben mir Hinterteil an Hinterteil auf dem Bett lagen (ich war eingeschlafen). Leider wollten sie mit mir das Handy zum Fotomachen holen…


Ich bin gespannt, wie die beiden sich zusammenraufen werden und wie Luke sich entwickeln wird.
Ihr werdet darüber natürlich auf dem Laufenden gehalten.


Habt noch einen tollen Mittwoch

Kerstin mit Diego und Luke

Sonntag, 2. Juli 2017

[Blablabla] Wie ich meinem Hund immer ähnlicher wurde und er mir! Oder: was wir von unseren Hunden lernen können! Oder: Hilfe das wird lang und sentimental!



Warnung: Der nachfolgende Text kann Spuren von Überlänge, Sentimentalität und Selbsterkenntnis enthalten.


Die schönsten Ohr-Haare der Welt!

Ich gebe es zu. Äußerlich ähneln Diego und ich uns nicht wirklich. Da gibt es tausende Hunde die mir vermutlich wesentlich ähnlicher sehen, als mein Setter mit seinen langen, traumhaft gewellten rot, schwarzen Ohren auf die so manche Schönheitskönigin neidisch wäre (auf die Haare, nicht auf die Ohren…). Es ist aber wohl auch ein bisschen viel verlangt, dass mein Sensibelchen sich alle 8-12 Wochen die Haare färbt und komplett neu frisieren lässt (obwohl… mittlerweile bin ich schon seit April blond! Wahnsinn! Rekord für mich, glaube ich!). Es würde auch vermutlich nicht besonders gut beim Coiffeur ankommen, wenn ich mit Hund hineinspaziere, ihn neben mir auf einem Stuhl platziere und die nette Dame, die mir die Haare macht, darum bitte, das gleiche auch bei meinem Pfotenpunker durchzuführen.

Aber auch die wollen gepflegt werden.




 Aber ich schweife ab!

Aussehen haben wir beide also schon mal nicht wirklich gemein. Nur was ist da jetzt dran, dass sich Herrchen bzw Frauchen und Hund immer ähnlicher werden? Immerhin begleitet Diego uns nun bereits seit 9 Jahren.




Tja. Ich muss es leider zugeben. Charakterlich sind der Pfotenpunker und ich tatsächlich aus demselben Holz geschnitzt.

Er ist nervös, hat eine kurze Zündschnur, ist dann aber zu unsicher, um so richtig Stellung zu beziehen, hat immer Angst er könnte zu wenig Futter bekommen (ihr wollt mich nicht sehen, wenn ich Hunger habe!) und hat leicht neurotische Züge.
Dafür ist er aber auch extrem sanft und freundlich mit Leuten und Hunden die er kennt. Er redet genauso gern wie ich (also für einen Hund „spricht“ er recht viel) und mag es auch gerne gekrault zu werden. Aber nur wenn er will!

Von daher scheine ich mir den passenden Hund aus der kleinen Rasselbande von Welpchen ausgesucht zu haben.
Wobei…  

Fett und nur Futter oder pennen im Kopf.
Bei seiner Züchterin hatte ich noch Sorgen, ob dieses kleine, fette (auch im Vergleich zu den anderen Welpen!) und faule Stück Fell wohl wirklich zu mir und meiner aufgedrehten Art passen würde. 



 Ich wollte einen Hund für Hundesport. Nichts auf Leistung, einfach nur etwas Frisbee, etwas Clicker, etc. und er sollte unserer Hovi-Dame was entgegen zu setzen haben (deswegen sollten wir auch Diego nehmen, weil er der Schwerste aus dem ganzen Wurf war und körperlich schon was entgegen zu setzen hatte.)
Und was tat der kleine Wonneproppen immer? Er schlief oder er fraß, während seine Geschwister aufgedreht um uns herum sprangen und auf unseren Schoß klettern wollten. Verdammt!   

Als er dann zu uns kam, war er sehr schnell sehr dünn und sah aus wie ein verhungerter Windhund, der nur bei einem ersten Platz Futter bekommt und der sehr, sehr lange nicht mehr gewonnen hatte…

Zudem entpuppte er sich als sehr, sehr nervös und schnell gestresst.
Der sollte wie ich sein? Never-ever! Niemals!

Naja und dann kam der eine ausschlaggebende Tag. Wir waren mit dem Pfotenpunker und unserer damaligen Hundeschulen-Clique auf unserem Tierheimfest, ich wollte mir was zu Essen holen, gab die Hundeleine an meinen Mann und war kurz weg.
Als ich wieder kam und ihn zurück nahm, schaute eine Freundin ziemlich lange zwischen uns hin und her. Schließlich platzte es aus ihr heraus: „Komisch! Diego ist ja immer total nervös und gestresst. Aber gerade, als Stephan ihn an der Leine hatte, war er viel entspannter.“
Die beiden verstehen sich auch ohne viele Worte.

Ich war ehrlich etwas geschockt und fühlte mich leicht auf den Schlips getreten.
Ich sollte dafür verantwortlich sein, dass mein Tier so ein nervöser, aufgeriebener Pelzträger war? Ich? Wie bitte?! Da hatte ich mich wohl gerade verhört!
Das musste erstmal sacken.

Später bin ich gedanklich ein paar Schritte zurück getreten, um mir mein Verhalten, Diegos Verhalten und Stephans mal genauer anzusehen.
Und wisst ihr was? So schlimm es auch war, es stimmte! Ich war nervös und aufgekratzt, weil ich in der Erwartung war, dass Diego gleich wieder loskläfft oder sonst was macht. Ich war fahrig in meinen Bewegungen, hatte die Schultern hochgezogen und mich anscheinend alles in allem so verhalten, dass der Hund dachte:

„OH! MEIN! GOTT!!! Irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht!!!!“

 

 

Tanzt nicht nur beim Aussie-Treffen auf dem Tisch.


Stephan hingegen, ruht meist in sich selbst und lässt sich nur durch ganz wenig aus der Ruhe bringen. Das hat natürlich auf den Hund abgefärbt. Er muss es wie Urlaub empfunden haben, mal von ihm geführt zu werden. Endlich einer der Durchblick hat!

Ich musste mein Verhalten ändern und zwar schnell.
 
Wie jeder weiß, ist das allerdings gar nicht so einfach! Ich bin nun mal vom Grundtypus her eher nervös, schnell aus der Ruhe zu bringen, schnell gestresst und überfordert und mache mir ständig Sorgen.
Ich denke oft schon an Schritt 3, ohne Schritt 1 überhaupt gegangen zu sein.
Das hat der Hund sich von mir abgeguckt! Nicht umgekehrt!
Diego passte nicht so hervorragend zu mir und meinem Verhalten, weil wir uns gesucht und gefunden hatten, sondern weil er das ganze von mir adaptiert hat. Somit wurde der Hund mir mit der Zeit immer ähnlicher.

Furchtbar! Das arme Tier.
Aber zum Glück funktioniert das ja auch weiterhin.
Das ganze ist auch schon länger her. Mittlerweile habe ich mir meinen Ausgleich durch Sport geschaffen, gehe Laufen, Meditiere, mache Yoga und Bouldern. Ich sehe nicht mehr alles so eng und bin in vielen Dingen gelassener geworden. Und wenn ich doch mal wieder nervös werde, erkenne ich das und kann mich sehr oft stoppen. (Ein langer Weg! Aber einer der sich lohnt zu gehen!)
Ich bin zwar noch weit davon entfernt ein absolut entspannter und stressfreier Mensch zu sein, aber ich bin lernfähig, lernwillig und der Ansicht, dass das Leben nun mal im Fluss ist und man sich selbst und damit auch seine Umwelt verändern kann.

Ja, so ist das ein entspannter Schlaf.


                                               Und soll ich euch was sagen? Es klappt!
 
Seitdem ich nicht mehr in der Angst spazieren gehe, es könnte wer weiß was passieren, ist diese Sorge auch von Diego genommen. Er muss nicht hinter jeder Ecke kontrollieren, ob Gefahr lauert, er muss mich nicht vor jedem entgegenkommenden Hund beschützen oder den nächsten Passanten ankläffen.
Gehe ich entspannt in die Situationen, ist auch Diego entspannt.
Natürlich bin ich manchmal noch genervt und dann ist es der Hund auch. Und natürlich funktioniert das auch nicht immer. Aber es ist so viel besser geworden seitdem ich mein Verhalten überdacht habe.
Ich hätte von Anfang an dem Hund etwas mehr zutrauen sollen und mich nicht so verkrampft geben, dann wäre es von Anfang an einfacher gewesen.
Aber nun ist es wie es ist und eine gewisse Restnervosität ist bei Diego in manchen Situationen vorhanden.
Mittlerweile läuft ein Spaziergang sehr oft so ab, dass er sich bevor er eine Entscheidung trifft, erstmal nach mir umschaut, um zu gucken, wie ich reagiere. Habe ich meine Schultern entspannt (wirklich das mach extrem viel aus! Und für den Rücken ist es auch besser.) und gehe locker weiter, ist alles in Ordnung für ihn. Dann kann es ja  nicht so schlimm sein.

Hinter mir waren ein paar Schafe

Das Ganze wirkt sich natürlich auch auf sein Verhalten im Haus aus. Es ist schön zu sehen, wie er über die Jahre immer mehr aufgeblüht ist und keine Panikattacken mehr schiebt, sobald ihm was nicht passt.
Eine geringe Frusttoleranz ist nämlich auch so etwas was Diego und ich gemeinsam haben. Aber dazu gibt es bald mal mehr. Das würde hier den Rahmen sprengen.

Eigentlich wollte ich hier einen witzigen kleinen Text über Gemeinsamkeiten in die Tasten hauen (ich haue wirklich, als ich noch in einem Callcenter gearbeitet habe, haben sich die Kollegen immer über den Krach beschwert), stattdessen ist eine gewisse Selbsterkenntnis rausgekommen, die mich stellenweise traurig macht, weil Diego die ersten 3-4 Jahre seines Lebens meine Anspannung mittragen musste. 
Vlt schütteln jetzt einige den Kopf, aber deswegen könnte ich gerade jetzt und hier losheulen (ich heule sehr schnell los! Noch so eine Selbsterkenntnis).  

Aber es ist, wie es ist und ich kann dies nur als Lehrzeit nehmen und es für die Zukunft besser machen.
 
Der Setter ist alt geworden, aber immer noch wunderschön!


Der Hund spiegelt an so vielen Stellen unser eigenes Verhalten. Wir müssen dies nur erkennen und dann die für uns richtigen Schlüsse ziehen.

Mir hat Diego sehr viel über mich beigebracht und dafür werde ich ihm für immer dankbar sein.

Und nun gehe ich und werde meine mittlerweile fast 10-jähirge Fellkugel knudeln!

Habt alle einen tollen Sonntag!


Dienstag, 27. Juni 2017

[Sport] Wie Diego und ich beim Biggesee Marathon mitliefen



Mein erster Blogpost! Und dann auch noch direkt ein richtiges Thema! Aber warum auch lange um den heißen Brei reden, wenn man die Leser direkt ins kalte Wasser schmeißen kann?
Ich denke mit diesem kleinen Bericht erhaltet ihr einen ganz guten Eindruck.
Sowohl über meine Art zu schreiben, meine 500 Rechtschreib- und Satzzeichenfehler und wie wir so sind.
Also, immer herein spaziert in unser buntes Rudel!

Und natürlich viel Spaß!
Wobei? Na, beim Wochenthema:





Das Team H.U.L.K.

Der Biggesee-Viertelmarathon samt Hund!



Diego begleitet mich ja schon länger zum Laufen und ist dementsprechend auch fit. 10km sind für ihn kein Problem (wie es mir damit geht, ist ein anderes Thema!) und so hatte ich schon öfter mit dem Gedanken gespielt, ihn zu einem offiziellen Lauf mitzunehmen.
Später gab es eine Abkühlung!
Kurz entschlossen habe ich dann beim Veranstalter des Biggesee-Marathons angefragt, ob die Strecke auch mit Hund erlaubt sei.
Die Antwort ließ keine 10 Minuten auf sich warten und meinen Puls in die Höhe schnellen: Ja, kein Problem. Allerdings nur an der Leine und wenn er gehorcht.

Da ohne Leine quer durch den Wald bei einem jagdlich interessierten Setter-Mix eh ein kleines Problem sein könnten, war dieser Punkt kein Problem.
Wenn er gehorcht… Naja, meistens schon. Also wenn er will. 
Da es sich bei Diego aber erstens um ein gesetzteres Alter handelt und zweitens um keine reißende Bestie, haben wir es mal gewagt.
Ein weiterer Punkt war, dass aus meinem Lauf Team (Team H.U.L.K. schaut mal auf Facebook und lasst uns ein Like da) eine weitere Läuferin ihre Hündin mitnehmen wollte. Zu zweit fühlt man sich ja dann auch bekanntlich weniger allein und konnten zusammen auf den knapp 11km langen Trail gehen.

Yeah, Zieleinlauf!
Schon morgens wachte ich nervös auf und da der kleine Setterjunge dafür unglaublich feine Antennen hat, zeigte er sich da einfach mal solidarisch. 
Warum wusste er nicht so genau, aber wenn Frauchen hektische Flecken kriegt, will ich das auch!

Am Start/Zielbereich angekommen, mussten wir uns erstmal unsere Startnummer holen. Netterweise durften wir an der Schlange vorbei direkt nach vorn.

Und dann hieß es mit Knoten in den Eingweiden auch noch knapp 2,5 Stunden bis zum Startschuss (dazu kommen wir später noch) rumkriegen.

Ein wenig Sightseeing, ein wenig Geocachen und ganze viele Pommes später (Ja, wir sind die totalen Profi Läufer, optimale Vorbereitung ist alles!) ging es dann auch los.
Mit meiner Kollegin und ihrer Hündin haben wir uns vorsorglich auch noch hinter den Walkern aufgestellt. Massenstart mit Hund ist mitten in der Masse nicht so gut. Und als Schlusslicht kann man schließlich immer noch überholen, wenn einem danach ist.

Kurz durchatmen, nett für die Fotografen lächeln und dann hieß es auch schon; „Nur noch 30 Sekunden bis zum Start!“
Der Startschuss als solcher hat Diego ganz schön aus dem Konzept gebracht. Früher auf dem Hundeplatz war er Schussfest (einmal geübt), aber das war vergessen. Es war auch nur halb so wild. Also wir sprechen von 2-3 Schritten nach hinten, nicht panischem davon preschen.

Diego dachte sich dann auch, wenn schon denn schon, und gab dann mal Vollgas. Dass das nun mal nicht die ganzen 10,6km funktionieren kann ist klar und somit hatte ich am Anfang erstmal genug damit zu tun, den zerrenden Hund zurückzuhalten.

Vor allem als direkt nach 500m der 3km lange Anstieg begann. Den sind wir dann gegangen *hust* Generell habe ich so gar nicht auf die Zeit und unsere Platzierung geachtet. Denn Laufen soll vor allem eins: Spaß machen!

Nach 5km kam zum Glück ein Versorgungpunkt und der Hund und ich konnten trinken. Diego sieht auch keine Schwierigkeiten dabei, aus einem Becher trinken und so durfte er erstmal in aller Ruhe das Wasser leer schlappern.
Zurück im Wald folgte ein ziemlich langer Abstieg.
Der Anstieg hatte es mit 220hm für uns in sich.
Immer wieder durften wir uns folgendes anhören: „Hätte ich so einen Hund an der Leine, würde ich auch eine bessere Zeit machen!“ Dass man die meiste Zeit ziemlich damit beschäftigt ist, besagten Hund auszubremsen, um nicht einfach über seine eigenen Quadratlatschen zu stolpern, um sich dann mit Hund und Leine zu einem Knäuel zu binden und dass man nicht nur auf sich, sondern auch auf ein weiteres Lebewesen achten muss habe ich gar nicht erst versucht zu erklären.

So eine schöne Markierung! :D
Beim nächsten Bachlauf durfte Diego dann natürlich auch wieder Pfotenkühlen, zwischendrin wurde ab und an wieder gegangen und alles in allem sind wir so 4. Letzter geworden glaube ich.

Aber das war es absolut wert! Denn es hat unglaublich viel Spaß gemacht auf 6 Füßen einen offiziellen Trailrun zu absolvieren. Auch Diego fand das ganze ziemlich spaßig.
Am besten hat ihm aber der letzte Teil gefallen:
Nachdem wir erfolgreich durch das Ziel sind, unsere Medaille und unser Siegerbier (alkoholfrei natürlich) bekommen und die anderen Teammitglieder wiedergefunden haben (die waren weit vor uns und musten knapp 30 Minuten auf uns warten) sind wir runter an den Biggesee und ab da rein!

Später hat Diego dann noch Schnitzel gespielt und sich am künstlichen Sandstrand paniert.

 

Sonntag durfte er dafür dann aber nach einer kleinen Runde Zuhause bleiben. Das Agility-Turnier haben wir uns alleine angesehen. Ohne Hund. Der brauchte seine Ruhe.

Ich glaube allerdings, den Muskelkater hat er erst 2 Tage später gehabt. Gestern war nämlich nicht allzu viel mit ihm los. Ein wenig Apportieren und ansonsten ziemlich langsam durch den Wald zockeln. Mehr war nicht drin.
Aber das ist, nach so einer Leistung auch vollkommen in Ordnung.



Liebe Grüße

Kerstin mit dem Pfotenpunker